• Viel Neues und wenig Zeit

    Posted on October 5th, 2009 Jan 4 comments

    Seit meinem letzten Eintrag hier sind nur ein paar Tage vergangen, aber ich hätte schon wieder genug zu schreiben, um hier mehrere Seiten zu schreiben. Dummerweise ist es schon wieder fast Schlafenszeit, so dass ich mich kurzfassen werde.

    AmLa Cucaracha Freitag hat Srey Mom, eine der kambodschanischen Freiwilligen bei CCBEN, vor Feierabend einen kleinen Khmer-Kurs für Julia und mich gemacht. Neben den basics aus youtube kann ich jetzt sogar schon bis 999.999 zählen…glaube ich zumindest – ich habe es nur noch nicht vollständig ausprobiert. Außerdem weiß ich jetzt, dass essen “njam” heisst und schlafen “gänn”, fast wie “mjam!” und “gähn!”. Im Grunde ist Khmer also ganz einfach. In der Praxis sind meine Erfolge aber noch eher begrenzt – zum Handeln auf dem Markt reicht es jedenfalls noch nicht, so dass da weiterhin Englisch + Hände und Füße herhalten müssen. Abends ging es dann zu einer Feier bei einer anderen Praktikantin aus Russland, die gerade nach Kambodscha gekommen ist. Als ich wieder nach Hause kam, fand ich im Bad einen weiteren Mitbewohner, der es sich auf einer Deo-Dose bequem gemacht hatte. Der stark behaarte Überlebenskünstler war stattliche 7 cm groß, die Fühler nicht eingerechnet. Kurz nach dem Foto verschwand er aber netterweise hinter dem Spiegel, um mich nicht weiter beim Zähneputzen zu stören.

    Am Samstag und Sonntag stand BarCamp auf dem Programm, eine IT-Konferenz, die einmal jährlich in Phnom Penh und in vielen anderen Städten weltweit stattfindet. Das Besondere am BarCamp ist, dass es keine festen Rednerlisten o.ä. gibt, sondern dass jeder Teilnehmer selbst Themen vorstellen kann, die ihn oder sie interessieren. Dadurch war die Themenpalette sehr gemischt, und ich konnte einige Sessions besuchen, die mich vielleicht auch beim Praktikum weiterbringen werden. Mekong-BootSamstag Nachmittag habe ich die letzten Sessions sausen lassen und bin dafür zu Khlimb the Penh gegangen, einem Steilwandkletterevent, das dieses Wochenende zum ersten Mal veranstaltet wurde. Um da hin zu kommen, bin ich erstmal mit einem Boot auf die andere Seite des Mekong übergesetzt (eine Brücke hätte es ein paar hundert Meter weiter auch gegeben, aber das wäre ja langweilig gewesen). Auf der Fahrt konnte ich schon die Kletterroute sehen, die am Rohbau eines Hochhauses aufgebaut war. Khlimb the PenhDie Route war zwar nur etwas über einen Meter breit, aber dafür etwa 25 m hoch. Als ich am Turm ankam, waren schon viele Kletterer da, und ich konnte mir ein bisschen die Strecke ansehen, während die anderen schon kletterten. Mit ein paarmal Schummeln habe ich es dann auch bis zur Glocke am Ende der Route geschafft, und mein nagelneuer Klettergurt hat auch gehalten 🙂

    Samstag Abend ging es dann zur Auszugsparty eines Couchsurfers, von der ich durch ein BarCamp-Besucher erfahren habe. Wie sich herausstellte, lag die Wohnung direkt neben dem russischen Markt, also nur ein paar Minuten zu Fuß von meiner Wohnung entfernt.

    Am Sonntag ging es morgens wieder zum BarCamp, und im Dritten Block habe ich dann auch eine Session zum Thema Lockpicking gemacht.  Es waren viel mehr Zuhörer da, als ich Schlösser dabei hatte, so dass ich den Teil zum selbst ausprobieren leider streichen musste. Dem Vorführeffekt zum Trotz habe ich es aber immerhin beim zweiten Versuch geschafft, ein Schloss mit einer Coladose zu öffnen.

    Später bin ich dann mit Ching zum Friendship Club gegangen, einem Treffpunkt für Kambodschaner und Ausländer, der von einer Sprachschule betrieben wird, um allen eine Möglichkeit zu geben, ihr Englisch zu üben.

    Auf dem Rückweg zu unserer Wohnung bin ich in die falsche Richtung losgelaufen, und habe dabei einen Lebensmittelmarkt entdeckt, wo ich mich erstmal auf die Suche nach einem Abendessen gemacht habe. An einem Stand entdeckte ich einen großen Bottich mit glibberigen weißen Fäden. Als ich mit Händen und Füßen versuchte, zu fragen, wie und mit was man die isst, kam eine ältere Frau dazu, die auch gerade einkaufte. Als sie meine Ahnungslosigkeit erkannte, stellte mir eine Kombination aus Sojasprossen, den Fäden, einem Schnittlauchähnlichen Kraut und ein paar Eiern zusammen und handelte sogar noch den Preis für mich herunter – die Hilfsbereitschaft der Kambodschaner ist einfach unglaublich.

    Jetzt ist es doch schon wieder länger geworden, als ich eigentlich wollte, und höchste Zeit, ins Bett zu gehen. Was heute passiert ist, erfahrt ihr dann morgen 🙂

     

    4 responses to “Viel Neues und wenig Zeit”

    1. Christian

      Hallo Jan,
      das hört sich ja alles sehr interessant an. Weiterhin viel Spaß und guten Hunger! 🙂
      Grüße, Christian

    2. Anja

      Und zum Nachtisch ein bisschen Stinkfrucht?

    3. Jan

      Ich habe hier bisher noch gar keine Durian gefunden…die werden wahrscheinlich nur unter der Ladentheke verkauft, wenn man verspricht, dass man sie nicht in der Nähe des Marktstands anschneidet, weil sonst die Kunden verscheucht werden 🙂

    4. Tobias

      Hallo Jan,

      das ist ja echt eine andere Welt! Wie sind so die Temperaturen? Hier in Stockholm kam es heute zum ersten Schnee, wir haben also so ca 1-3°C!

      Grüße

      Tobias